Thüringer Klöße müssen’s sein

Thüringer KlößeManchen Menschen ist es doch tatsächlich irgendwie gelungen, einen unangenehmen Urinstinkt des Homo Sapiens komplett abzuschütteln: Das Schamgefühl. Nein, wir reden nicht vom Star Wars Kid, das seine galanten Lichtschwertkünste eigentlich nie der Welt offenbaren wollte, oder von Chase Sampson, dem amerikanischen Studenten, der die erste Frage von Wer wird Millionär nur aus Fahrlässigkeit falsch beantwortete. Nein, die Menschen, von denen wir heute sprechen, schütteln dem Rest der Gesellschaft mit heruntergelassener Hose die Hand – ohne Gewissensbisse.

In diese elitäre Streitmacht der Peinlichkeit reiht sich nun auch Jungstar Fritz ein. Der 13-jährige Suhler Schüler landete mit seinem Song Thüringer Klöße einen kleinen YouTube-Hit, der sich bereits innerhalb weniger Wochen wie ein Lauffeuer verbreiten sollte. Grund: unbekannt. Selbst ein Blick auf die YouTube-Bewertung offenbart zumindest zum jetzigen Zeitpunkt bei weitem mehr positive als negative Resonanz. Wer sich die fast dreieinhalb minütige Folter erst einmal gegeben hat, wird über diese Tatsache sicher ebenso erstaunt sein wie wir.

Irgendwie stimmt hier einfach gar nichts mit der uns bekannten Zeitrechnung überein. Der letzte Blick auf den Kalender offenbarte den 24. Oktober 2012 – ein Tag, an dem tausende 13-Jährige auf der allmorgendlichen Busfahrt zur Schule allen umstehender Ü30-Fahrgästen mit aufgedrehtem Handyradio den letzten Nerv rauben. Aber dieser Mensch, dieser Fritz – er möge sich derbst als mit dem nackten Finger auf sich gezeigt fühlen – entspringt einer gänzlich anderen Epoche der Menschheitsgeschichte.

Von der unbeholfenen Kameraarbeit und dem triefenden Songtext darf man noch nicht einmal reden. Denn mit seinem bizarren Erscheinungsbild eines mustergültigen Enkelsohnes schafft es Fritz bereits, dem Zuschauer die Kinnlade herunterklappen zu lassen. Vergesst Jungbauernhof und Sparda Bank. Fritz wischt mit jeder Konkurrenz den Boden auf.

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